Wirbelsäule

Die Wirbelsäule, lateinisch „Columna vertebralis“ genannt, stellt die knöcherne Mitte des Körpers dar und hält diesen aufrecht. Sie ist verbindet die Iliosakralgelenke mit dem Becken sowie über den ersten Halswirbel mit dem Kopf verbunden. In der Brustwirbelsäule gehen die Rippen an der Wirbelsäule ab – diesen bilden mit dem vorne gelegenen Brustbein den Brustkorb. Die Länge der Wirbelsäule hängt vor allem von der Körpergröße ab – daher haben Männer mit durchschnittlich ca. 70 cm meist eine längere Wirbelsäule als Frauen, deren Wirbelsäule im Durchschnitt ca. 60 cm misst.

Die Wirbelsäule wird von oben nach unten in folgende Abschnitte aufgeteilt: Halswirbelsäule (HWS), Brustwirbelsäule (BWS), Lendenwirbelsäule (LWS) und Sakralwirbelsäule (Kreuzbein und Steißbein). Die Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule bestehen aus insgesamt 24 Wirbeln (7 Halswirbel, 12 Brustwirbel, 5 Lendenwirbel). Zwischen den einzelnen Wirbeln liegen die insgesamt 23 Bandscheiben, welche die Beweglichkeit der Wirbel ermöglichen und eine Pufferfunktion haben. Das einzige Wirbelpaar, zwischen dem keine Bandscheibe zu finden ist, ist der erste und der zweite Halswirbel.

Die Sakralwirbelsäule besteht aus fünf, fast immer vollständig miteinander verwachsenen, Kreuzbeinwirbeln und vier bis fünf zum Steißbein zusammen gewachsenen Steißbeinwirbeln. Ausnahmen bestätigen die Regel: es gibt Menschen, die z.B. sechs statt fünf Lendenwirbel haben, und manchmal sieht man in bildlichen Aufnahmen auch eine Bandscheibe zwischen dem ersten und zweiten Kreuzbeinwirbel….

Betrachtet man eine Wirbelsäule von der Seite, erkannt man die typische doppelte S-Form: Hals- und Lendenwirbelsäule sind nach vorne geschwungen, während hingegen die Brust- und die Sakralwirbelsäule nach hinten gekrümmt sind. Diese S-Form befähigt die Wirbelsäule, Stöße oder Erschütterungen beim Gehen oder Springen abzupuffern und in einer aufrechten Haltung die Balance zu bewahren. Des Weiteren schützt diese S-Form die Wirbelsäule vor Brüchen und damit auch das im Wirbelkanal enthaltene Rückenmark vor Verletzungen.

Betrachtet man die einzelnen Wirbel von oben nach unten, fällt auf, dass die unten gelegenen Wirbel breiter und stabiler als die oben gelegenen Wirbel sind – verständlich, wenn man bedenkt, dass die Gewichtsbelastung der Wirbel durch die Schwerkraft nach unten zunimmt.

Aufbau der Wirbel

Der vordere Teil eines Wirbels besteht aus einem kompakten Wirbelkörper, welcher stabilisierend wirkt, dessen im Inneren gelegenes Knochenmark aber auch zur Blutbildung beiträgt. Lediglich der erste Halswirbel, Atlas genannt, verfügt über keinen kompakten Wirbelkörper, und bildet mit dem zweiten Wirbelkörper, Axis genannt, eine enge funktionale Einheit. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern liegen die Bandscheiben, welche aus einer festen mehrschichtigen Knorpelfaserhülle (dem sog. Annulus fibrosus) und einem gelartigen Kern, dem sog. Gallertkern oder auch Nucleus pulposus genannt, bestehen. Im Laufe eines Tages verlieren die Bandscheiben Flüssigkeit und damit auch Höhe, in der Nacht nehmen sie Flüssigkeit auf und gewinnen dadurch wieder an Höhe. Dadurch ist man abends ca. 1-2 cm kleiner als am Morgen. Im Laufe eines Lebens werden die Bandscheiben zunehmend schmaler, sodass ein älterer Mensch meist einige cm kleiner ist als in der Jugend. Auch die Wirbelkörper sitzen aufgrund des Höhenverlustes der Bandscheiben dichter aufeinander, was zu einer Zunahme der Wirbelsäulenkrümmung im Alter führt.

An den Wirbelkörper schließt sich nach hinten der knöcherne Wirbelbogen an. Die Wirbelbögen formen vor jedem Wirbelkörper ein Wirbelloch, das sog. Formalen vertebrale. Alle Foramen vertebrale zusammen bilden den Wirbelkanal (auch Spinalkanal genannt), der das hochempfindliche Rückenmark umschließt. Die Wirbelbögen sind an jeder Seite oben und unten etwas eingebuchtet, sodass jeweils links und rechts zwischen den Wirbelbögen zweier übereinander liegender Wirbel ein Zwischenraum entsteht. Dieser Zwischenraum wird als Foramen intervertebrale oder auch Zwischenwirbelloch bezeichnet. Durch diesen Zwischenraum treten auf beiden Seiten des Wirbels jeweils ein Rückenmarksnerv (auch Spinalnerv genannt) aus dem Rückenmark aus. Da von oben nach unten immer mehr Spinalnerven austreten, verjüngt sich das Rückenmark nach unten hin.  Zusammen mit dem Gehirn bildet das Rückenmark das sog. Zentrale Nervensystem („ZNS“). Aufgabe des Rückenmarks ist es, Informationen des Gehirns wie z.B. Bewegungssignale an die Skelettmuskulatur und die Organe weiterzuleiten. Des Weiteren meldet das Rückenmark auch Signale aus der Peripherie, d.h. aus Haut, Muskeln, Organen und Gelenken, wie beispielsweise Schmerzen, Temperaturempfindungen und Berührungen an das Gehirn weiter.  

Seitlich verfügen die Wirbelbögen an jeder Seite über einen Querfortsatz. Dieser enthält im Brustwirbelbereich eine Gelenkfläche, an welcher die Rippen ansetzen. Auf der Rückseite des Wirbelbogens befindet sich ein Dornfortsatz, der als Ansatzstelle für Muskeln und Bänder fungiert.

Des Weiteren enthält jeder Wirbelbogen je zwei obere Gelenkfortsätze und zwei untere Gelenkfortsätze, welche mit den entsprechenden Gelenkfortsätzen des oberen bzw. des unteren Wirbelbogens ein kleines Wirbelgelenk, auch Facettengelenk genannt, bilden. Die Facettengelenke bestimmen je nach ihrer Ausrichtung die Bewegungsrichtung der einzelnen Wirbelsäulenabschnitte. Da die Wirbelgelenke in der Lendenwirbelsäule fast senkrecht ausgerichtet sind, findet in der Lendenwirbelsäule nur wenig Rotation statt, während hingegen die Beugung nach vorne sowie die Streckung nach hinten sehr gut möglich sind. Die Brustwirbelsäule ist aufgrund ihrer Einbindung in den knöchernen Brustkorb am unbeweglichsten – hier treten aber auch dadurch am seltensten Bandscheibenvorfälle auf. Die Halswirbelsäule ist der beweglichste Abschnitt der ganzen Wirbelsäule, da die Kopfbewegungen ja auch die Orientierung steuern. 

Über die gesamte Länge der Wirbelsäule sind mehrere kräftige Bänder vorhanden, welche sowohl stabilisieren als auch die Beweglichkeit sichern, aber auch limitieren sollen. Als Beispiele genannt seien hier:

  • das vordere Längsband, welches sich über die Vorderseiten der Wirbelkörper erstreckt
  • das hintere Längsband, welches hinten an den Wirbelkörper verläuft und somit den Spinalkanal vorne auskleidet
  • die gelben Bänder (auch ligamenta flavia genannt); diese verbinden benachbarte Wirbelbögen miteinander

Des Weiteren gibt es noch drei wichtige Bänder zwischen den Querfortsätzen, zwischen den Dornfortsätzen und hinter den Dornfortsätzen, auf welche hier aber nicht näher eingegangen werden soll 

Die häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule

Die häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule finden Sie hier!

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